18.02.2016  /  Regina  /  Kategorie: Plattentaschen-Check

Dunkle Wolken ziehen auf: Am Freitag steigt das Tanzgewitter #2 im Ke//er! Wenn ich nicht gerade hier für Ashore schreibe, stecke ich meine Zeit vor allem in das Online-Magazin neukoellner.net. Wie der Name schon sagt, geht es darin vor allem um den Stadtteil Neukölln in all seinen Facetten. Das wollen wir auch mit einer Partyreihe zeigen, bei der ausschließlich Musiker aus’m Kiez spielen. Dieses Mal haben wir uns allerdings Dresdner Gäste in Form von Break SL und Jacob Stoy vom Label Uncanny Valley eingeladen. Warum und wieso, könnt ihr hier nachlesen. Als lokale DJ-Creme-de-la-Creme spielen übrigens Phonatic, Fran-S und Sterneque, außerdem freue ich mich schon sehr auf das Konzert der Band Leather Report. Aber jetzt werfen wir erst einmal einen Blick in meine eigene Plattentasche, die ich dieses Mal vor allem mit Disco, Funk und Boogie bepacke.

Tanzgewitter

Tanzgewitter #nkstyle mit u.a. Break SL, Jacob Stoy, Leather Report (live), Phonatic, Zola
Ke//er, Karl-Marx-Str. 52, Berlin-Neukölln
19. Februar, Freitag, 23 Uhr bis… spät.

Various – This Is How It Started Vol. 4 (Midnight Riot Records)

Midnight Riot Records widmet sich mit dieser Reihe den Wurzeln von Chicago-House, irgendwo zwischen Disco, Electro und Italo. Sehr speziell finde ich den Track „On & On“ der  gestrickt wurde, als die Begriffe „Edit“ oder „Mash-Up“ wahrscheinlich noch gar nicht erfunden waren. 1980 verwurstete der ominöse DJ Mach gleich vier Tracks zu einem: „Get On The Funk Train“ von Munich Machine,“Space Invaders“ von Playback, „Funky Town“ von Lipps Inc. und „Bad Girls“ von Donna Summer. Da kommt permanentes Hab-ich-schon-mal-gehört-Gefühl auf und mehr Disco-Vibe geht eigentlich gar nicht. Trotzdem funktioniert es komischerweise, ohne komplett überladen zu wirken. Da fällt mir übrigens ein, wie ich das erste Mal mit Disco-Musik in Berührung gekommen bin: Dieses Genre war in den 90ern, als ich Teenager war, alles andere als cool. Ich hatte damals eine schreckliche Sportlehrerin, stets in weißen Adidas-Trainingsanzügen und Föhnwelle. Sie brachte „Funkytown“ von Lipps Inc. auf Platte mit und wir mussten eine schlimme 70er-Jahre-Choreografie dazu einstudieren. Ich war 13, stand auf R’n’B und es war schrecklich! Ein Wunder, dass ich irgendwann noch zu Disco zurückfand…

Love Drop – Edits (Disco Deviance)

Mit Edits ist das ja so eine Sache. Wenn ich beim Plattenshoppen schon Vocals von James Brown und einen schlechten, pseudo-fetten House-Beat höre, reicht’s mir schon und die Scheibe wird schnell wieder zurückgesteckt. Das Label Disco Deviance kriegt das aber sehr gut hin mit den Edits, muss ich sagen. Durch die Bearbeitung werden neue, eigenständige Tracks daraus, bei denen sehr respektvoll mit dem Original umgegangen wird. „Temptation“ von Love Drop ist so ein Fall, bei dem ich erst mal googeln musste, woher das Vocal-Schnippsel stammt: „Please don’t tempt me“ von Lenny Williams ist um einiges langsamer. Eine tanzbare Soulnummer, aber erst im Edit wird daraus ein Dancefloor-Kracher.

The Loni Gamble Band – I Like The Way You Do It (Peoples Potential Unlimited)

Der einzige Release der Loni Gamble Band und ebenso von der Sängerin Lisa Warrington. Auf dem Label Sound Modification erschien auch nur eine weitere Platte. Und Bandleader Loni Gamble, der übrigens aussieht wie eine schlechte Kopie von Lionel Richie, hat ansonsten eher schlimme 80er-Popsongs fabriziert. „I Like The Way You Do It“ ist allerdings wirklich ein großartiger Boogie-Klassiker. Ich mag daran vor allem das Unperfekte und Spontane, dass die Stimmen teilweise etwas übersteuert sind, auch mal ein falscher Ton dabei ist – das Ganze macht den Eindruck einer Jamsession, die einfach zum Spaß aufgenommen wurde. Die Erstpressung von 1984 kostet auf Discogs übrigens 300 Euro, den Repress auf PPU  inklusive Edit von Tom Noble gibt es dafür aber immer mal wieder bei HHV.