10.12.2015  /  Sascha  /  Kategorie: Residents

Noch knapp drei Wochen, dann war’s das auch schon wieder mit 2015. Ein Jahr, in dem auch hier so einiges passiert ist. Unter anderem sieben Radiosendungen, fünfzehn Podcasts und unzählige tolle Begegnungen vor und hinter den Decks. Im Radio, in Clubs, auf Open Airs und abseits von all dem. On- wie offline. Und wie jedes Jahr wollten wir auch dieses Mal wieder von all den Leuten, die Ashore dieses Jahr mit einem Podcast oder einem Besuch im Reboot.FM-Studio begleitet haben, ihren Lieblingstrack 2015 wissen – und was ihn dazu gemacht hat. Los geht’s mit Teil 1 (hier geht’s zu Teil 2) und folgenden Künstlern:

Best-of 2015 Gäste Teil 1

Vielen Dank für ihre Favoriten, Texte, Podcasts, Radiobesuche und Musik an Shan, Sarah Farina, Tim Toh, Comfort Fit, Finn Johannsen, Hodini, Shape, JM Moser, Stefan Jós und Perm (v. l. o. n. r. u.)! Die Mixe und Shows aller Teilnehmer sind im Artikel auch nochmal verlinkt, einfach auf das jeweilige Bild klicken. Vielen Dank zuletzt an Reboot.FM für den tollen Support über die ganzen Jahre!

Shan Ashorecast

Shan:
ZK Bucket – Isle Of You (Zaun Records)

„Einer meiner Favorites dieses Jahr war ‘Isle Of You’ von der gleichnamigen ZK Bucket-EP auf Zaun Records. Die habe ich im Dezember letzten Jahres bei Gerd (Janson) im Robert Johnson gehört. Ich habe das Stück aber erst wieder erkannt, als ich die Platte daheim zum ersten Mal angehört hatte, habe mich also selber überrascht. Es ist auch immer schön, wenn Artwork und Musik zusammenpassen und sich, wie in diesem Fall, ergänzen, das weckt dann nochmal ganz andere Assoziationen.“

Sarah Farina

Sarah Farina:
Gantz – Supreme A (Deep Medi)

„Mein Track des Jahres kommt von Gantz. Was für ein boundary-breaking Produzent! Als ich ‘Supreme A’ Anfang des Jahres zum ersten Mal gehört habe, habe ich Gänsehaut bekommen. Die Melodie, der Beat und der Vibe vereinen etwas sehr hypnotisierendes und spirituelles. Der Tune hat eine ganz eigene Emotion, die ich vorher noch nie in so einer Form gehört beziehungsweise gefühlt habe. Im März 2015 ist der Song als Teil seiner ‘Witch Blues’-EP auf Deep Medi, einem meiner Lieblingslabels, released worden – die ganze Platte ist was ganz besonderes und sehr zu empfehlen. Gantz hat mit diesem Release und vor allem mit ‘Supreme A’ das Dub-Universum für mich erweitert.“

Ashorecast Tim Toh

Tim Toh:
Joey Dosik – Running Away (Vulf)

„Dieses Jahr habe ich für Mocky und seine Band das Warm-up für ein exklusives Konzert auf dem PlayDis!/ HearDis! Event im Anita Berber gespielt. Wer ihn nicht kennt, gegen 2005 hat er in Berlin gelebt und mitunter mit Jamie Lidell, Peaches, Feist und Chili Gonzales gearbeitet. Was bis kurz vor dem Konzert nicht klar war, dass noch Chili Gonzales spontan dabei ist und mit seinen Performance-Stage-Pantoffeln auf einem Mini-Synth sein großes Solo spielen wird. Ein toller Abend. Ich bin ja schon ziemlich lange großer Fan dieser Clique. Doch an diesem Abend hat mich Joey Dosik besonders beeindruckt. Der Kerl hat eine großartige Stimme und ist wahnsinnig gut an den Keys. Für mich war es ähnlich wie bei Bobby Caldwell, bei dem alle zuerst dachten, er sei schwarz, bevor klar wurde, dass er in Wirklichkeit blass und rothaarig ist. Auch die anderen Sachen auf dem Label Vulf sind klasse. Nunja, der gewählte Titel ist zwar nicht von 2015, aber ich habe ihn erst vor ein paar Monaten entdeckt. Musik ist ist ja eh zeitlos und so.“

Ashorecast 34 - Comfort Fit

Comfort Fit:
Noisia, Mefjus & Hybris – Reptilians (Vision Recordings)

„Noisia haben dieses Jahr eine eigene wöchentliche Radioshow gestartet. Jede Episode vollgepackt mit Bangern und exotischem Material. Hinter ‘Reptilians’ stecken die drei Macher selbst sowie die beiden Mittäter Hybris und Mefjus. Letzterer hat sich in kürzester Zeit mit seinen atemberaubenden Bassline-Programmings einen Namen gemacht. Dieser Track hat für mich das Thema Drum’n’Bass nochmal in ein völlig neues Licht gerückt. Definitiv eines meiner Highlights 2015!“

Ashorecast 27 - Finn Johannsen

Finn Johannsen:
SW. – Reminder Part Three – B1 (Sued)

„Verständlicherweise verteilen nicht mehr viele Labelbetreiber Testpressungen an DJs, um so mehr freut es mich, wenn doch noch welche Vinyl bei Hard Wax für mich hinterlassen. Ein Bonus wenn es Menschen sind, deren Persönlichkeit und Output man eh schon schätzt, und der Jackpot, wenn es sich dann noch als etwas Herausragendes handelt. SVN von Sued ist so jemand. Sued-Platten gefielen mir bis jetzt immer, und wenn ein neues Vorab-White Label bei mir landet, immer stilecht mit Edding beschriftet, landet es mit großer Wahrscheinlichkeit bei den Platten, die ich über das Jahr verteilt oft spiele. Das Exemplar von Sued 012 war allerdings ein Sonderfall. Ich hatte bereits Sued 011 erhalten, ebenfalls von SW., und war wie immer sehr zufrieden damit. Eine Seite verschrobener Deep House, eine Seite ein Rhythm Track, der ein bisschen wie eine kaputte Reminiszenz an “Nude Photo” klang. Eigentlich alles chico. Nur war SW. wohl nicht vollends zufrieden damit, und wollte sie nicht mehr herausbringen, somit gibt es überhaupt nur sehr wenige Kopien der Testpressung. Ich war ziemlich perplex, aber SVN meinte da würde dann was kommen, was noch deutlich besser wäre. Diese Haltung fand ich schon wieder gut. Und so viel von meinen Anfängen als Rare Soul DJ steckt dann doch noch in mir, dass ich diese unerwartete Rarität nicht zu schätzen wusste. Bei der dann tatsächlich erschienenen Platte von SW., Katalognummer 012, sollte SVN aber absolut Recht behalten. Die von SW. gewohnten Detroit-Referenzen sind noch da, aber ziemlich überraschend gepaart mit Rhodes-Sounds und Broken Beats, die mich an die Großzeit der West London-Szene erinnerten. Für diese Musik hatte ich nie sonderlich viel übrig, aber alles was mir dort an Jazz-Geschmäcklertum nicht gefiel, störte mich bei “Reminder Part Three” merkwürdigerweise nicht im Geringsten. Gut, die Tracks sind auch nicht übermäßig verdudelt, und die Sued-typische Studio Jam-Attitüde ist auch hier vorhanden. Und Platten, die ein Jazz-Interesse mit Detroit-Einflüssen zusammengebracht haben, gab es auch schon vorher. 2015 gab es allerdings nicht so viele, und mir ist in den Jahren davor kaum eine aufgefallen, die mich vergleichbar beeindruckt hat (bevor mich jemand der Ignoranz bezichtigt: die Sound Signature-Releases beispielsweise, die allzusehr auf dem Jazz-Thema herumritten, habe ich aus persönlichen Gründen gerne übersprungen). Alle vier Tracks von “Reminder Part Three” sind sehr gut, B1 aber ist mein Favorit. Ich wechsel meine Auswahl von Gig zu Gig ziemlich durch, aber dieses Stück kam fast immer dran. Am liebsten mit unbelassenem Intro, denn die Beats wummern da perfekt hinein. Die Deck Sharks wollten es alle wissen, und der Rest der Anwesenden hat immer gejubelt. Und wenn nicht, wäre es auch egal gewesen. Mir war zuviel an Musik 2015 zu grau und zu prätentiös. Das hier war mein bestes Gegenargument. Killer.“

Hodini

Hodini:
Phil Weeks – The Easy Way (Robsoul)

„Track des Jahres ist für mich immer so ‘ne Sache. Es gibt einfach zu viel gute Musik. Die Phil Weeks-Nummer hat mich dieses Jahr auf jeden Fall vom Hocker gerissen. Der Bruder meiner Freundin hat ihn mir nach einer durchzechten Nacht gezeigt und ich bin garnicht mehr klar gekommen, haha. Dieser Kenny Dixon Jr-‘January’-Drumbreak in Kombinaton mit den Synthies die DJ Shadow auch schon auf ‘Changeling’ benutzt hat… Ohweee!“

Shape Ashorecast 29

Shape:
White Boiz feat. Blu – Variety / Oliver’s Stone (Deep Medi)

„Meine Wahl zum Track des Jahres 2015 fällt auf das kürzlich erschienene ‘Variety’ von den White Boiz auf Stones Throw. Die Kollaboration bestehend aus Shafiq Husayn, ein Drittel der Sa-Ra Creative Partners, und Krondon, ein Drittel von Strong Arm Steady hat Ende Oktober das Album Neighborhood Wonderful herausgebracht und das Stück dieses Albums hat sich für mich direkt nach der Kategorie ‘Hände oben, Kopf unten’ angefühlt. Stücke, bei denen die Repeat-Funktion nicht oft genug angewählt werden kann, Stücke, die geistreiche Gespräche auf dem Dancefloor unterbinden und Stücke, die dich einfach nach innen stülpen. Das Tempo und der Offbeat lassen locker fluffig abschütteln, das Sample bringt einen auf das gesunde Lowridermaß und Krondon erzählt eine Geschichte, die einen gut fühlen lässt. Easiness quasi. Wenn dann, würde ich lediglich eine Version veranlassen, bei der das Instrumental zu Beginn noch ein wenig geloopt ist, bis sich alle die Füße abgetreten haben um einzutreten. Anmerkung: Rap braucht Platz, um verstanden zu werden.“

Ashorecast JM Moser

JM Moser:
Lnrdcroy – Sunrise Market (1080p / Firecracker Rec.)

Much Less Normal war schon 2014 mein Favorit, als das Album auf 1080p rauskam. Jetzt hat das tolle Label Firecracker Recordings das Ding nochmal auf Vinyl herausgebracht. Und so bleibt’s auch 2015 die beste Platte des Jahres. Es ist schwer einen Lieblingstrack zu picken, aber ‘Sunrise Market’ hat meiner Meinung nach nicht nur bei mir ‘ne Menge Resonanz erzeugt. So hat auch das Vancouver Label Pacific Rhythm Anfang dieses Jahres eine Extended Version auf 12-Inch veröffentlicht, da die zwei Minuten der Albumversion einfach viel zu kurz sind. Ich erinnere mich noch, als ich Lnrdcroy vor ungefähr zwei Jahren auf Soundcloud entdeckt hatte, er den Track postete und ich die zwei Minuten für Tage ins unendliche geloopt hatte. Definitv schon jetzt ein Klassiker.“

Stefan Jós Ashoreradio 34

Stefan Jós:
Thomas Brinkmann – Bleiweiss (Editions Mego)

„I actually listened to this album while I was running around Berlin before and after I came over to the studio for Ashoreradio. ‘Bleiweiss’ was playing on my iPod the morning after my set at Loftus Hall. I had gone to stay at a friend’s place and needed to get to my rehearsal by 8am. I was on the S-Bahn going back to Akademie der Künste, the sun was low and looked very nice on the buildings and on everyone’s faces. The track worked well with all the golden light that was happening and it stuck in my memory as a pretty distinct moment in my year. I’ll probably think about it whenever I hear this one from now on.“

Ashorecast #32 - Perm

Perm:
Georg Friedrich Haas – String Quartet No. 8 (BMN Audiophil)

„Irgendwann Ende August saß ich Sonntags beim Frühstück und hörte Radio. In der Sendung wurde eine CD eines amerikanischen Streichquartettes vorgestellt. Obwohl mir alle Stücke gefielen, hat es mir das ‘String Quartet No 8’ des Schweizer Komponisten Georg Friedrich Haas besonders angetan. Leider habe ich in den letzten Jahren zu Hause immer weniger Musik gehört und hatte ein bisschen den Spaß am Hören in den eigenen vier Wänden verloren. Dank Stücken wie dem von Georg Friedrich Haas nehme ich mir wieder die Zeit und habe auch allgemein mehr Spaß am Hören. Und komischerweise habe ich noch nie so viele CDs gekauft wie 2015.“