05.03.2015  /  Jan  /  Kategorie: Portraits

Paul Ormanns

Mal ein Label gründen: Diesen Gedanken schleppen wahrscheinlich alle Musiknerds dieser Welt irgendwann mit sich herum. Und warum auch nicht? Wenn man dann wie Paul Ormanns noch das lexikalische Wissen eines Plattenladenverkäufers, jede Menge DIY-Mentalität und einen stilsicheren Geschmack hat, kommt sowas wie ROW Records raus. Die Veröffentlichungen wird es vorerst nur auf Vinyl geben. Was seinen Grund hat, denn Paul arbeitet seit einiger Zeit im Jenaer Fatplastics, einem meiner Lieblingsläden in Sachen elektronischer Musik ohne Scheuklappen und garantierten Seitenblicken in absurdere Gefilde. Klar, dass man dann seinen eigenen Arbeitsplatz durch digitale EPs nicht wegrationalisieren möchte. Gut, dass mit Clone auch gleich ein sehr guter Vertrieb gefunden wurde. ROW 001 – draußen ab 09.03.2015 – kommt vom Japaner Keita Sano, es ist eine eigenwillige Mischung aus House mit Breakbeats und unerwarteten Stimmensamples. Also ich bin Fan und fragte Paul nach einem kurzen Einblick in die Gründungsphase.

Holla Paul, stell doch bitte kurz dein Baby vor. Wie schwer war die Geburt?
Ehrlich gesagt war das gar nicht so schwer. Natürlich gab es bei mir immer den Gedanken, selbst ein Label zu gründen. Aber das habe ich eher als jugendliche Träumerei verbucht, da ich ein Label bisher finanziell auch nicht stemmen konnte. In meinem Freundeskreis gab es auch niemanden, der die gleiche musikalische Idee hatte, bis ich im vergangenen Sommer Christian Petzold von der Sache erzählte. Er war sofort sehr angetan davon und brachte schnell einen befreundeten Künstler, Alexander Neugebauer, mit ins Boot. Das gab der gesamten Geschichte noch mehr Schwung.

Umschreib doch kurz deine musikalische Idee.
Roh und stellenweise kühl würde ich sagen. Auf jeden Fall ist vieles bei den bisher geplanten Veröffentlichungen analog eingespielt, das hört man auch. Die Musik wird sich auch im Design der Platten widerspiegeln. Bei der ROW 001 ist es eine Collage, gestaltet von Alex. Auch bei den nächsten Platten werden wir mit mit roughen und zum Teil auch mit einer Lochkamera aufgenommenen Bildern arbeiten.

Die Künstler kommen nicht direkt aus deinem Freundeskreis. Wie sieht dein A&R aus?
Ich habe bisher einfach Künstler angeschrieben, die ich mir auf ROW vorstellen konnte. Dann muss es natürlich auch für diese selbst interessant sein, denn ein Anthony Naples braucht man ja nicht fragen, ob er die erste Veröffentlichung machen will! (lacht) Die Tracks wähle ich so aus: Würde ich sie selbst kaufen und spielen? Als Vorbilder von ROW würde ich Labels wie Mister Saturday Night sehen. Da fand ich immer spannend, dass man das nächste Release nie so erwartet hätte. House, Techno oder auch mal Listening-Platten wie die Archie Pelago-EP. Klar war nur, dass es gut werden wird.

Wo geht’s hin? Was kommt bei ROW als nächstes?
Die nächsten drei Veröffentlichungen sind schon so gut wie eingetütet, die ROW 002 kommt vom italienischen Duo Die Roh samt Remix von Steve Murphy.

Die „Row 001“ von Keita Sano kann man schon jetzt im Fatplastics Recordstore Jena kaufen, ab der kommenden Woche dann auch bei Clone, Phonica, Decks.de und überall sonst.