11.12.2012  /  Sascha  /  Kategorie: Podcasts

Mittwochabend, der 14. November, auf halber Strecke zwischen Görlitzer Bahnhof und Kottbusser Tor. Es ist kurz nach Mitternacht und der Farbfernseher bisher überschaubar gefüllt. Dementsprechend entspannt auch die Musik: langsamer House, ein bisschen Soul, beinah Downbeat. In dieser Nacht legen die drei Jungs von Aroma Pitch auf, die vor wenigen Wochen ihr erstes Release auf ihrem neuen, eigenen Label feiern konnten. Darauf zu hören: Melodieverliebter House samt Acid-Anleihen und spürbarem Sound of Cologne-Einfluss. Von dort stammen Aroma Pitch nämlich nicht nur ursprünglich, sondern hier organisieren sie – trotz ihres Umzugs nach Berlin – auch immer noch regelmäßig die Cologne Sessions, für die sie ihre Lieblings-DJs und Live-Acts nach Köln einladen.

Aroma Pitch

In Berlin, genauer gesagt im Farbfernseher, sind Aroma Pitch in dieser Nacht erst zum zweiten Mal zu sehen. Und mit jeder Stunde füllt sich nicht nur der Club ein wenig mehr, sondern offenbart sich auch ihre musikalische Vielfalt. Techno, Disco, Funk, alles geht in dieser Nacht. Ein Grinsen in den Gesichtern macht sich breit, auch bei uns, also konnten wir nicht anders, als Aroma Pitch um einen Mix für Ashore und ein kleines Interview zu bitten – und es hat geklappt!

Hallo Jungs, für alle, die euch bisher nicht kennen: Wer steckt hinter Aroma Pitch und seit wann gibt es euch in dieser Formation?
Wir sind Jesse, Julius und Magnus und machen unter dem Namen Aroma Pitch seit vier Jahren zusammen Musik. Aroma Pitch war zuerst ein reines Liveprojekt für elektronische Musik. Nach etwa einem Jahr kam dann das Auflegen dazu. Darüber hinaus haben wir vor kurzem unser eigenes Label Aroma Pitch Recordings gegründet.

Wie würdet ihr eure Musik beschreiben?
Bei unseren Livesets, die in der Regel eine Stunde dauern, haben wir eine klare Aufteilung. Magnus macht die Beats, Jesse die Synthesizerlines und Julius die Atmos beziehungsweise Chords. Der Sound wird natürlich gewissermaßen durch unsere Instrumente und (Effekt-)Geräte sowie unsere Improvisation charakterisiert. Unsere Sets entstehen im Grunde durch Zockereien und Jams, von denen wir dann letzten Endes die acht bis zehn Tracks spielen, die uns am besten gefallen. Das können dann zum Beispiel verspielte Housegeschichten oder knartzige Acidexperimente sein. Der Sound ist dabei eher deep und melodisch. Im Vergleich dazu ist ein DJ-Set von uns natürlich etwas ganz anderes, weil wir nicht unsere eigenen Produktionen auflegen, sondern unsere Lieblingsplatten von Künstlern aus aller Welt. Diese haben unterschiedlichste Produktionsstile und Ideen, wodurch der Sound eines DJ-Sets eine andere Bandbreite hat.

Vor kurzem habt ihr euer eigenes Label gegründet und dort auch eure erste Platte selbst herausgebracht. Gibt es schon weitere Pläne für das Label, welche Releases stehen von euch für 2013 an, oder schraubt ihr sogar schon an einem Album?
Wir beginnen jetzt mit der Arbeit an unserer zweiten Platte, die auf APR Anfang nächsten Jahres erscheinen soll. An ein Album denken wir momentan noch nicht, das hat noch Zeit. Der Plan ist auch, die ein oder andere Remix-Platte beziehungsweise Kooperation mit anderen Künstlern auf unserem Label zu veröffentlichen.

Euer Sound ist sehr housig, auch Jazz, Soul und Disco sind große Einflüsse. Wo liegen eure musikalischen Wurzeln, wie habt ihr zu House gefunden? Hatte Köln und der Sound Of Cologne einen starken Einfluss oder gab es noch etwas darüber hinaus?
Ursprünglich sind wir alle Drei gelernte Schlagzeuger, was uns sicherlich grundlegend in der Wahrnehmung von Musik geprägt hat. Wir haben unabhängig voneinander von klein auf in verschiedenen Rock beziehungsweise Jazz-Bands gespielt. Dadurch, dass wir dann mit zirka 17 Jahren zum ersten Mal auf Kölner Technopartys wie zum Beispiel die Total Confusion gegangen sind, war der Sound of Cologne ganz klar ein wichtiger Einfluss für uns. Seitdem haben wir uns gemeinsam immer mehr mit elektronischer Musik auseinandergesetzt. Im Laufe der Jahre sind wir dann auch immer mehr auf den Sound aus anderen Städten und Ländern gestoßen. Durch Festivalbesuche, der ewigen Suche nach der fettesten Platte und dadurch, dass wir selbst uns als DJs und Live-Act immer weiterentwickelt haben, sind wir immer tiefer in die Techno- und Housewelt eingetaucht!

Obwohl ihr mittlerweile alle (?) in Berlin lebt, organisiert ihr weiterhin Partys in eurer Heimatstadt Köln. Was für eine Idee steckt hinter euren Partys, wen bucht ihr und wie wird eure Musik und die Partys in Köln angenommen?
Ja, wir leben inzwischen alle drei in Berlin und studieren hier. Einmal im Monat machen wir gemeinsam mit Mitch von Ki Records im Stadtgarten beziehungsweise im Studio672 in Köln die Cologne Sessions. Dort laden wir unsere Vorbilder und Ikonen, sowohl Live-Acts als auch DJs, ein, um sie kennenzulernen und zu erleben. Unsere Gäste waren unter anderen: Move D, Kyle Hall, Oskar Offermann & Edward, Tevo Howard, Roman Flügel, Axel Boman, Lawrence, Prosumer, Motor City Drum Ensemble, Tobias Thomas, Elektro Guzzi, Skudge und Portable. Wir freuen uns jetzt schon auf unsere kommenden Partys mit Floating Points, Funkineven, San Soda, Hunee und Manamana. Die Leude finden’s geil!

Wenn ihr weiterhin Partys in Köln macht, scheint ihr ja ohnehin sehr heimatverbunden zu sein – wieso dann der Umzug nach Berlin?
Wir wollten einfach diese große, vielversprechende Stadt kennenlernen und mal raus aus Köln. Berlin ist nunmal vielseitiger und hier passiert einfach mehr. Trotzdem freuen wir uns jedesmal wieder auf unser gemütliches Köln.

Mittlerweile konnte man euch natürlich auch in zahlreichen Clubs in Berlin erleben. Habt ihr denn hier schon eine Residency oder etwas in der Richtung, eine regelmäßige Party oder ist das noch in Planung?
Eine Residency in Berlin haben wir bis jetzt noch nicht wirklich. Würden uns aber freuen, wenn sich bald was ergibt.

Gibt es von euch eigentlich auch Soloprojekte oder gibt es Aroma Pitch nur als Gesamtpaket zu erleben bzw. hören
Bis dato nur im Gesamtpaket zu haben.

Aroma Pitch Mix Session

Wie ist der Mix für Ashore denn entstanden, wer hat ihn gemixt und gab es ein Konzept dahinter?
Wir drei haben den Mix mit zwei Plattenspielern und einem CD-Player letzte Woche nachts bei uns zu Hause aufgenommen [siehe Bild oben, für die Vollansicht einfach anklicken]. Das Ganze hat aber länger gedauert als zuerst gedacht, und wir saßen im Endeffekt bis halb-sechs morgens an dem Mix, da wir wegen schlafender Nachbarn nicht mal auf Zimmerlautstärke hören und mixen konnten. War aber trotzdem oder gerade deswegen sehr lustig.

Wo kann man euch denn demnächst mal wieder als DJ-Team oder live erleben?
Am 29. Dezember legen wir in Berlin im neuen +-0 Club auf. Mitte Januar spielen wir dann endlich wieder live; auf der Cologne Music Week und in Holland.

Aroma Pitch kann man auf Soundcloud oder Facebook folgen.