13.03.2021  /  Regina  /  Kategorie: Podcasts

Ich freu mich immer, auch mal außerhalb Berlins aufzulegen und ganz besonders ist mir dabei ein Gig in Hannover in Erinnerung geblieben: Über das Bronco’s hatte ich schon viele gute Dinge gehört, und als Felix aka Felice mich vor fast auf den Tag genau zwei Jahren dorthin eingeladen hat, hab ich natürlich direkt zugesagt. Es war ein super Ausflug und Felice ein top Gastgeber. Der Schweiß tropfte auf der gefühlt 8 Quadratmeter großen Tanzfläche des kleinen Ladens von der Decke und die Leute hatten richtig Bock. Mit Felice und Gustaaf aufzulegen an dem Abend hat super viel Spaß gemacht!

 

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Darum hatte ich Felice schon länger auf der Liste der Ashorecast-Wunschkandidat*innen und freue mich, dass er direkt am Start war. Auf dem von ihm mitbetriebenen Label Turnland gabs seit dem Start 2018 eine Reihe Releases, immer mit schickem Artwork und musikalisch ziemlich vielfältig. Teils von produziert von Felice selbst, teils von seinem Projekt Bad News und teils von anderen Künstler*innen. Ganz aktuell ist die Compilation „Solidarity is a Weapon“ rausgekommen, deren Erlöse für einen guten Zweck gespendet werden. Mehr dazu im Interview!

1 Jahr Corona: Wie war das vergangene Jahr für dich persönlich?
Felice: Auf persönlicher Ebene ist 2020 eigentlich ganz gut gelaufen. Ich durfte mit Leuten gemeinsam Musik machen, die mich selber sehr inspiriert oder geprägt haben. Ich habe viel dazu gelernt und endlich mal mein Studio vernünftig verkabelt ;)

Du bist nicht nur DJ und Produzent, sondern hast in der Vergangenheit auch selbst Veranstaltungen organisiert. Wie schätzt du die Lage der Clubs in Hannover aktuell ein?
Hannover hat ja eh nicht so die ausgeprägteste Clublandschaft. Ich befürchte, dass nicht alle Läden den Lockdown überstehen werden – ebenso die kleinen Technikklitschen und Tontechniker*innen, die die Infrastruktur für die ganzen Raves in Off-Locations gestellt und betreut haben.
Politisch läuft da auch viel schief, so wurde zum Beispiel der Kulturhafen, in den hannoverschen Häfen, letztes Jahr, trotz super durchdachtem Hygienekonzept, vom Bauamt dicht gemacht. Das war über den Sommer eigentlich der einzige Spot, an dem DIY-Kultur in irgendeiner Weise stattfinden konnte. Als Grund wurde angegeben dass im Mischgewerbe keine Kulturveranstaltungen stattfinden dürfen. Ist natürlich ein super Signal wenn der ganze Kulturbetrieb in der Stadt Corona bedingt brach liegt.
Gleichzeitig passiert aber auch viel und es sind trotz der Ungewissheit, wann und wie Clubs wieder öffnen können, neue mutige Projekte am Entstehen, auf die ich mich freue. Was das Warten noch härter macht.

Ihr habt bei Turnland gerade die Compilation „Solidarity is a Weapon“ rausgebracht. Was hat euch den Impuls dazu gegeben? Warum habt ihr euch entschieden, das Projekt Rote Hilfe e.V. auf diese Weise zu unterstützen?
Igor und Ich hatten in den 90er Jahren als Kleinstadt Punks unabhängig von einander bereits früh Auseinandersetzungen mit Nazis und dadurch auch relativ schnell einen guten Draht zur Antifa in der nächsten Großstadt. Als wir uns circa im Jahr 2000 in Hannover kennenlernten, waren wir beide bereits stark in der Linken Szene verwurzelt. Mittlerweile hat sich das für uns alles sehr durchmischt, wir haben uns was unsere sozialen Räume angeht verändert und sind weniger am Start was klassischen Aktivismus angeht. Der Mindset, Antifaschismus betreffend, ist jedoch der selbe geblieben. Ist auch unser gesamtes Umfeld und Freund*innenkreis nicht selber in der Linken politisch sozialisiert worden, so aber in jedem Fall reflektiert genug, um die Relevanz eines solchen Projektes wie der Rote Hilfe e.V. zu sehen. Gerade 2020, wo der Schulterschluss zwischen vermeintlich „bürgerlicher Mitte“ und Neo-Nazis wieder deutlich sichtbarer wurde, die rassistischen Morde in Hanau passierten und so viele „Einzelfälle“ bei Polizei und Militär ans Licht kamen, liegt es nahe, bestehende Projekte und Strukturen zu stärken und zu supporten, die seit Jahren wichtige antifaschistische und antirassistische Arbeit machen und zusätzlich (oder gerade deswegen) zu 100% unabhängig von staatlichen Mitteln agieren.
Und das mit der Compilation wurde dann zum Selbstläufer, eigentlich wirklich nur unseren Freund*innen und Menschen die dem Label nahestehen von der Idee erzählt und alle waren direkt Feuer und Flamme.

Was habt ihr demnächst mit Turnland geplant?
Am 08.04. kommt ein Album welches in Kooperation mit Trocadero Records aus Hamburg entstanden ist. Das ganze heißt „No Future Dubs“ und ist, wie der Name schon verrät, ein 8 Track Dub-Album von Toto Belmont aus Helsinki und der Gruppe Messer. Igor und Ich haben ein Faible für Dub-Techno à la Chain Reaction und Basic Channel und da das Album vom Vibe ein wenig in die selbe Kerbe haut, hat uns das vom ersten Moment an total mitgenommen. Durch den deutschsprachigen Gesang, der eher wie ein eigenes Instrument eingesetzt ist, bekommt das Album dann wieder etwas NDW / Waveartiges was dem Ganzen eine super schräge Stimmung verleiht und es dadurch sehr eigenwillig macht. Richtig gutes Album, höre ich seitdem ich die Master-Files habe, rauf und runter.

Sonst steht dieses Jahr noch viel an: Eine EP von SHAN kommt zum Sommer, eine Platte von GUSTAAF, sowie 2 neue DUSA Releases. Dann liegt noch eine neue BAD NEWS hier. Diese wollten wir eigentlich 2020 bereits digital veröffentlichen, die kommt vermutlich dann auch noch dieses Jahr.

Was diggst du gerade besonders (Labels, Genres oder Künstler*innen)?
Hab wenig aktuelles gerade auf dem Zettel. Die Radiant Love Releases finde ich ziemlich gut. Ansonsten viel House & Trance zwischen 1989 und ’95. Und natürlich das Toto Belmont & Messer / No Future Dubs Album ;)

Playlist Ashorecast #85 – Felice:

Drax Ltd. I – Parnophelia (Wavescape / 2000)
Revalation – Synth it Domination Dub (Atmosphere Records / 1990)
Shan – AWOL (Turnland / 2021)
Cj Bolland – Wonderland (R & S / 1990)
Solitaire Gee – Slumberland / Rhythm Invention Remix (Warp / 1993)
Bad News – OBL 4 Life (Turnland 2021)
Vibraphonic – my love is for real (Hilltop Records / 1992)
Felice – Destination Facepalm (Turnland / 2021)
Zero Men – Low Key Sonics (Nutrition / 1995)
Fio Fa – in Effect (Radiant Love / 2020)
Aaron Palmquist – Dreamtime (Solo Recordings /1997)

 

Felices Mix lief außerdem in unserer Sendung bei reboot.fm. Die ganze Show mit aktueller Lieblingsmusik von Basco & Zola könnt ihr euch hier noch mal anhören!


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