25.02.2019  /  Sascha  /  Kategorie: Podcasts

Was ich seit jeher an diesem Podcast-Ding liebe: Man lernt selbst nicht nur tolle neue Musik kennen, sondern auch gleich noch eine Menge interessanter, verdammt talentierter Leute. Freunde von Freunden eben. Eine davon ist Rena Volvo aus Berlin, auf die ich ohne Frinda di Lanco und Jochen Discomeyer vermutlich nicht so schnell aufmerksam geworden wäre. Bin ich aber, zum Glück! Denn ihre bisherigen Auftritte halten sich zwar noch übersichtlich, und auch ihr Ashorecast ist ihr erster richtiger Mix, doch Pias Sound tanzt wunderbar zwischen den Discostühlen. Mal klassisch Italo, dann wieder eher obskur, aber immer so ergreifend wie frisch. Und zu sagen hat sie auch so einiges, so wie bei uns im Interview.

Rena Volvo

Pia, womit hat es bei dir musikalisch angefangen, dieses klassische Ding mit der Plattensammlung der Eltern? Und was sind bis heute deine Einflüsse?
Das ist bei Anderen immer so schön beschrieben, wie sie über ihre Kindheit erzählen und wie sie von ihren Eltern musikalisch geprägt wurden. Da kann ich leider nicht mit dienen. Mein Paps ist zwar Italiener, denen wird ja eine gewisse Grundmusikalität nachgesagt, aber ist er halt mal so gar nicht. Er steht auf Dudelsackmusik, wenn überhaupt, und schaut auf YouTube am liebsten Videos an, in denen V8-Motoren ausprobiert werden. Die Mama ist da schon ein bisschen informierter, sie liebt diesen Dr. Dre und steht total auf Afro-Funk und Motown. Manchmal mache ich ihr Mix-CDs fürs Auto.
Die größte Inspiration für mich war daher meine Schwester. Sie ist einfach meine Queen of 90ties RnB… TLC, SWV, Allure und was nicht noch alles. Rap kam natürlich auch dazu. Ich hatte mir bei uns in der Stadtbibliothek immer das Tape 14 Shots To The Dome von LL Cool J ausgeliehen. Es war eine super Zeit. Musik war immer das, was mich am meisten interessiert hat, ich war nie beim Judo oder Ballett. Ok, ab und zu mal reiten und Graffiti „malen“ – seltsame Kombi, fällt mir grade auf.
Hip Hop und Rap, waren lange meine treusten Begleiter. MOR, RAG, Creutzfeldt & Jakob, Square One. Anfangs viel deutscher Kram, aber auch Ami-Sachen, Classics wie Lord Finesse, MC Lyte, Mad Skillz, Foxy Brown und dieses verflucht gute WU-Syndicate Album! Ich habe den Scheiß geliebt und tue es noch immer, aber ich stand auch schon seit jeher auf funky Sachen wie Diana Ross und Chaka Khan („Do You Love What You Feel“ lief bei meiner Schwester und mir rauf und runter). Na, und so kamen mit der Zeit viele andere Dinge dazu, ohne die ich auch nicht mehr leben könnte. Und seit knapp vier Jahren bin ich komplett in den Disco-Topf gefallen, DiscOberlix quasi.

Rena Volvo

Was hat dich zuletzt stark geprägt?
Neue Platten? Oder alte neue Platten? Also die ganze Italo-Kiste hat mich auf jeden Fall sowas von überrollt. Es ist verrückt und kitschig ohne Ende und ich liebe es. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen zu einer gewissen Koolness „gedrängt“ werden, finde ich es sehr erfrischend, einfach mal ’ne emotionale Entgleisung zuzulassen, was bei mir zum Beispiel Renato Zero mit „Morire Qui“ auslöst.
Außerdem die Mellow Magic von Tommy Mandel. Ein buntes Album zum Durchhören, alle Lieder sind so super. Schön 80er Sound, aber nicht eintönig, sondern eine echt schöne Reise, diese Platte.
Und natürlich viele Italo-Disco-Nummern. Mir hat vor ein paar Tagen ein netter junger Mann eine Platte vorgespielt, bei der es mich total erwischt hat. Jetzt warte ich auf meine Bestellung von Discogs. „Love’s Harmony“ heißt die und kommt von Paciscopi.
Na, und natürlich der Sampler von DJ Scientist – Boogie On The Mainline. Warum? Weil alles richtige Feger sind, wie ein Freund sagen würde. Und Scientist hatte seine Release-Party zu der Platte bei SUA ONDA, wo wir uns kennengelernt haben und hatte sogar einige Künstler von Tracks, die auf der Scheibe sind, dazu eingeladen. Er hat auch immer spannende Geschichten zu seinen Entdeckungen, was die Platte für mich sehr besonders macht. Da steckt viel Herzblut und Respekt für die Musik drin.

Beruflich hast du viel mit Kino und Film zu tun. Ebendort auch im Bereich Musik eventuell oder ganz was anderes?
Genau, so in etwa. Ich arbeite in der Grafik, bei einem Filmverleih. Das ist keine Videothek oder so, viele verstehen das falsch, lachen und fragen, ob man noch nichts von Netflix gehört hätte. Vielmehr ist das quasi ein Verlag, der Kinofilme herausbringt. Bei uns sind es Arthaus-Filme, querbeet. Ab und an geht’s um Musik. Und du spielst jetzt vermutlich auf den „Joao Gilberto“ Film an. Das ist eine Dokumentation über die Bossa-Nova-Legende, für die ich das Artwork machen durfte. Das hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, da ich sehr frei daran arbeiten durfte und ich mag das Plakat auch sehr.

Amir, Marian und Pia

Wie bist du zum Auflegen gekommen, wann hat das begonnen bei dir?
Bei der Frage bekomme ich direkt ’ne Gänsehaut. Ich hatte einfach unfassbares Glück. Ich habe die richtigen Leute kennengelernt und dann kam alles Schlag auf Schlag. Ich war Ende 2017 im Monarch, habe da Marian Tone von Wedding Soul kennengelernt, der eines meiner absoluten Lieblingslieder gespielt hat (Marta Acuna mit „Dance, Dance, Dance“), woraufhin wir ins Gespräch gekommen sind.
Wir haben uns gleich total gut verstanden und angefreundet. So musikalische Soulmates, würde ich sagen. Irgendwann meinte er dann mal: „Pass mal auf, ich habe ein Angebot für ’ne Partyreihe im Monarch und ich will, dass du mitmachst. Deine Platten sind zu schade, um nur zu Hause gehört zu werden.“ Ich habe direkt Panik gekriegt. Hatte zwar sowas von Bock, aber einen heiden Respekt. Bis dato hatte ich noch nicht mal richtige Turnies und, naja, vom mehrere Lieder nacheinander abspielen mal ganz zu schweigen. Also haben wir geübt. Es ging immer besser und besser. Irgendwann war’s dann soweit. Der 10.08.2018 und ich stand da auf dem Flyer mit drauf. Einfach super skurril und genauso wundervoll. Nicht zuletzt, weil ich das Glück hatte, dass genau an dem Abend DJ Amir auf einmal auf der Matte stand und Bock hatte, ein paar Lieder vorab zuspielen. Das war einfach ein Wahnsinnsabend. Er hatte mir auch den super Tipp gegeben, immer Experimente zu wagen, worauf hin ich gleich mal eine Janet Jackson Nummer aus meiner Kindheit raus gehauen habe.
Naja, und das hatte so gut geklappt, dass Marian mir angeboten hat, das doch öfter zu machen. So entstand dann unsere Partyreihe SUA ONDA (dt. deine Welle), die monatlich im Monarch stattfindet. Ihm verdanke ich, dass ich das machen kann, was ich mir schon ziemlich lange gewünscht hatte. Grüße gehen raus an den guten Mann!
Dann gab’s im November letzten Jahres noch den wundervollen „Ein Abend mit…“ im Gelegenheiten, zu dem mich der ehrenwerte Kollege PCL eingeladen hatte, eine Stunde mit ihm back2back zu spielen. Es ist einfach schön, in der Szene so viele liebenswerte Menschen kennenzulernen. Ich bin froh da reingerutscht zu sein.

Wo kaufst du am liebsten Platten und was sind deine Tipps zum Diggen in Berlin?
Ich bin schon so ein treuer HHV-Kunde, würde ich sagen, weil’s easy ist und ich nebenan arbeite. Da sind die Bestellungen schnell abgeholt. Aber ich habe auch einen meiner besten Einkäufe bei Music-Heaven in der Simon-Dach-Straße gemacht. Der Laden hat inzwischen leider zu gemacht, aber es soll wohl einen Online-Store geben. Die haben eine super Italo-Auswahl. Sonst gerne Galactic Supermarket am Bersarinplatz. Na, und Discogs halt. Da kommt man ja quasi nicht dran vorbei.

Rena Volvo

Danke für deinen tollen Mix. Wie und wo hast du ihn aufgenommen – und hast du einfach drauf losgelegt oder hattest du ein Konzept im Kopf?
Ich freue mich so, dass du ihn magst und danke dir, dass du mich gefragt hast! Da es mein erster Mix ist, musste mir schon ein paar Notizen machen. Ganz so sicher fühle ich mich da noch nicht frei heraus zu spielen. Ich wusste anfangs nicht genau, wie ich da ran gehen soll. Habe mir dann zur Inspiration meine Lieblingssets angehört und beschlossen, dass ich einfach die Lieder nehme, die sich für mich richtig anfühlen. Dann habe ich zu Hause irgendwann an einem Sonntagnachmittag einfach mal losgelegt. Wollte eigentlich nur mal schauen, ob das Aufnahmegerät funktioniert, dann kam ich doch nach ein paar Nummern in ’nen Flow. Das Set ist etwas länger geworden als geplant, aber an ein paar Liedern kam ich einfach nicht vorbei, die mussten mit rein.

Wo kann man dich bald mal auflegen hören?
Die nächste Sause ist am 9. März im Monarch. Da ist wieder SUA ONDA, diesmal eine Special-Edition. Ich kann’s noch kaum glauben, dass das passiert, aber ich spiele tatsächlich mit meiner absoluten Lieblingskünstlerin Frinda di Lanco zusammen, die ich übrigens über ihren Ashore-Mix kenne. Also danke dir, Sascha, direkt verliebt gewesen. Sie ist nach meiner Schwester die Person, die mich am meisten inspiriert hat, was den Blick über den Tellerrand angeht und mir eine wundervolle neue Welt der Musik gezeigt hat. An der Stelle kann ich einfach nicht anders: Sandra, danke für Alles! Baci! Amore!
Außerdem mit von der Partie: Chrissley Benz aus dem Hause Tax Free. Auf sie freue ich mich auch extrem, ich hatte sie schon ’ne Weile über Soundcloud gestalkt, aber mich nie getraut, sie mal anzuschreiben, haha. Ich war total hin und weg von ihren „gib gob-mix“ und irgendwann haben wir uns dann mal persönlich kennengelernt und direkt super verstanden. Und dann freue ich mich ebenfalls sehr auf Josa Peit, die Chrissi mit ins Boot geholt hat. Auch eine unfassbar Gute, macht selbst Musik und bringt auch ihren ganz eigenen Vibe mit dazu, den unsere Truppe einfach überdope macht, würde ich jetzt mal sagen. Es wird einfach eine hochemotionale Kiste, ich bin jetzt schon in love und krieg nasse Hände vor Aufregung. Das Koole ist ja, dass es komplett bunt wird. Also wir haben gesagt, jeder soll seine Herzenslieder spielen und deshalb wird es auch so toll. Wir spielen quasi aus unserem musikalischen Tagebuch vor. Also kommt rum, tanzt, habt Spaß, seid lieb zueinander!

Tracklist
Mit Hits von Fausto Papetti, Eddy La Viny, Clara, Jean Michel Jarre, Takenoko, IMS, Mariah, Kermesse, First Touch, Temper und vielen mehr.

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