29.06.2015  /  Sascha  /  Kategorie: Podcasts

Das Label Musik Krause aus Jena und der Berliner Produzent Boris Mezga alias Comfort Fit haben eins gemeinsam: in den vergangenen ein bis zwei Jahren ist es in Sachen Output bei beiden es ein wenig still geworden. Zu still für unseren Geschmack. Klar, da gab es hier mal eine 7-Inch, dort die eine oder andere Single, doch denkt man an die Jahre davor zurück, waren beide Lager schon mal wesentlich aktiver. Umso schöner zu sehen, dass man bei Musik Krause seit Ende 2014 auf Neustart setzt, dem Label-Design eine komplette Frischezellenkur verpasste und neue Namen mit ins Boot holt. Einer von ihnen: Comfort Fit!

Comfort Fit

Kennt man den Sounddesigner, Produzenten und Performer sonst eher durch seine irgendwo zwischen abstraktem HipHop, Electronica, Downtempo, Broken Beat und Dub kreisenden Tracks auf Labels wie Tokyo Dawn oder Error Broadcast, so überrascht die neueste EP des Berliners mit einer von ihm bisher ungehörten funky Geradlinigkeit. Grund genug für uns, Boris ein paar Fragen zur „Mezga EP“ zu stellen und über seine sonstigen Tätigkeiten auf und neben der Bühne zu sprechen. Außerdem baten wir ihn natürlich um einen Ashorecast, der von hippieskem Poprock über bouncenden House bis hin zu frickelig-bassig-broddelndem Ambient reicht und trotz all diesen diesen stilistischen Querschlägen nie den roten Fader, äh, Faden verliert.

Comfort Fit

Hi Boris, vor einigen Wochen erschien deine „Mezga EP“ auf dem Jenenser Label Musik Krause, wie kam es zu dieser Verbindung? Auch House-Heads haben dich nun auf dem Schirm, selbst Sven Väth hat die 12-Inch bei seinen Aufritten mit im Gepäck – langweilen dich gebrochene Beats oder bleibt das nur ein kurzer Ausflug auf gerade Vierviertel-Pfade?
Die Mezga EP, eine Art Exkursion in 4/4, ist vielmehr meine Rückkehr zu den Wurzeln. Mitte der Neunziger bin ich als junger Teenager zunächst mit Detroit- und Dub Techno sozialisiert worden, bevor ich zu den Breaks übergelaufen bin. Diese Ästhetik ist bis heute sehr stark in meinen Produktionen spürbar. Der Kontakt zu Musik Krause kam eher zufällig zustande: Tabooze, der Bruder von Metaboman, hatte mich schon öfters für Live Performances nach Jena gebucht und zudem das Cover meines letzten Albums Worlds Falling Apart gestaltet. Von Musik Krause und Freude am Tanzen habe ich dann viel zu spät persönlich am Telefon (!) erfahren…

Mit deinen Produktionen bewegst du dich seit über 14 Jahren irgendwo zwischen abstraktem HipHop, Electronica, Downtempo, Broken Beat und Dub. Du selbst bezeichnest das als „Modern Mind Music“, woher holst du dir deine Inspiration, damit deine Tracks diesem Begriff immer wieder gerecht werden?
Glücklicherweise sind Schubladen 2015 nicht mehr so wichtig. Modern Mind Music meint Musik von modernen Menschen für moderne Menschen. Inspiration ist hierbei ein Nebenprodukt.

Comfort Fit – Schlesischer Koller – Mezga EP (2015)

Dein Live-Setup besteht häufig auf zwei NI Maschines sowie einem oder zwei Kontrol F1, zudem gibst du auch Workshops für Native. Gibt es eine Art Kollaboration zwischen dir und Native?
Vor ein paar Jahren habe ich zwei Jungs aus der Traktor Division von Native Instruments bei einer meiner Shows kennengelernt. Aus Spaß wurde Ernst. Und der ist jetzt fast drei Jahre alt. Ich bin im Berliner NI Headquarter und weltweit auf Reisen als Lead Product Specialist für MASCHINE tätig – eine genaue Beschreibung dieser Stelle würde definitiv den Rahmen sprengen. Jeder erdenkliche Skill, den ich mir in dreißig Jahren angeeignet habe, wird dort abgefragt. Ein klares Win/Win.

Auffällig bei deinen Auftritten ist auch die Positionierung der Gerätschaften, was hat es damit auf sich?
Die Neigung der Controller nach vorne hat vor allem ergonomische Gründe. Die Handgelenke sind so viel entspannter beim Spielen der Drum Pads. Außerdem kann das Publikum dann in Echtzeit sehen, was passiert und wird dadurch viel stärker emotional involviert. Definitiv besser als nur auf einen leuchtenden Apfel zu starren!

Comfort Fit – Elmo – Polyshufflez (2009)

Wie unterscheidet sich dein Studio- von deinem Live-Setup? Und arbeitest du im Studio mit einem ähnlich direkten Ansatz wie bei deinen Auftritten?
Mittlerweile sind Studiokompositionen und Live-Performances zwei völlig verschiedene Dinge. Seit ein paar Jahren fühlt sich das fast schon schizophren an, da ich auf meinen Gigs exklusives, andersartiges Material spiele welches in dieser From niemals veröffentlicht werden würde. Andererseits nehme ich von diesem Ansatz auch wieder viel mit in meine Arbeit im Studio. Viele meiner aktuelleren Tracks sind Mitschnitte von Jams, ganz im Gegensatz zu herkömmlichen Kompostionen, die man in der DAW einfach öffnen und abspielen kann.

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Comfort Fit live im Boiler Room (Oktober 2013)

2010 hast du im Kassablanca Jena deine MPC zerlegt und alle haben mit offenen Mündern dagestanden. Du spielst nach wie vor live, da du das Spiel von Aktion und Reaktion liebst. Würde es dich überhaupt reizen, einfach auch mal Platten aufzulegen?
Auflegen macht Laune. Aber wenn ich Auflege, steht der Tisch trotzdem voller Controller. Ich bin einfach ein Control Freak und leide zudem wohl auch unter Knopf-Sucht.

Was steht in Sachen Releases bei dir an, gibt es eventuell bald ein neues Album?
Umm-ts Umm-ts Umm-ts Umm-ts

Vielen Dank für deinen Mix! Wie und wo hast du ihn aufgenommen und gab es ein bestimmtes Konzept dazu?
Cheers, viel Spaß damit. Aufgenommen wurde der Mix hier im Studio direkt aus dem Traktor S8 über eine Röhrenkonsole und dezentem (Tape) Mastering in die DAW. Sound is King. Nehmt das, ihr 3,5-Miniklinke-Earbud-Nasen!

Wo kann man dich demnächst mal wieder live erleben?
2015 liegt der Fokus erstmal auf neuem Studio-Output. Neben den regelmäßigen Workshops wird wohl nur wenig Zeit für Gigs bleiben. Ein paar spontane Gelegenheiten wird es dennoch geben, bleibt wachsam!

Tracklist

1. The Moody Blues – Legend Of A Mind
2. Objekt – Second Witness
3. Comfort Fit – Staubschicht
4. Nautiluss – Lonely Planet
5. Taron Trekka – Kanatter
6. Dauwd – Kolido
7. Metaboman – Kontrapfiffie
8. Cupp Cave – Mind Bones
9. Juno6 – Seq02
10. Dimlite – Sun Sized Twinkles
11. Comfort Fit – Schlesischer Koller
12. Comfort Fit – Exabyte
13. Skyence – Scars
14. Comfort Fit – Drift To The Center

Comfort Fit kann man auf Facebook, Soundcloud und Bandcamp folgen.