20.05.2019  /  Regina  /  Kategorie: 3 Kurze

Ich habe lange an der österreichischen Grenze gelebt und unglaublich wichtig in meiner musikalischen Sozialisation war da FM4. Ohne das vielfältige Radioprogramm wäre meine Jugend auf dem Dorf um einiges weniger erträglich gewesen. Musik aus Österreich war mir dadurch immer sehr nah. Und ich hab mich super gefreut, als ich vor zwei Jahren die Anfrage von Austrian Sounds bekommen hab, einen Mix beizusteuern – ausschließlich mit österreichischen Künstlern.

Hinter der Austrian Sounds steckt koalblao, der in Alt-Treptow lebt und als Exil-Österreicher auch eine sehr intensive Bindung zur Musik seiner Heimat hat. Als er mir dann kürzlich eine Einladung zu einer kleinen Austro-Party geschickt hat, dache ich: ein idealer Kandidat für drei Kurze! Außerdem habe ich über ihn erfahren, dass er selbst seit Mitte der 90er mit Computer, Bass und Freunden selbst Musik macht. Aus Experimentierfreude und Spaß. Viele Skizzen sind entstanden, die man auf seiner SoundCloud-Seite hören kann. Als DJ kann man koalblao bei seiner nächsten Austrian Sounds Party übrigens am 25. Mai in der Neuen Republik Reger in Treptow hören. Musikalisches Motto: „nö wave“ – eine Auswahl aus den frühen 80er oder was sich danach anhört. New Wave, Disco, Early Electronics, Pop, HipHop und Punk und als Gast die diebrotfrau dabei.

Katharina Ernst- 04 x_04 (2018, ventil records)

Die junge österreichische Jazzszene ist hoch wie nie. Laufend tauchen neue spannende Musikerinnen und Musiker auf, oft mit exzellenter Ausbildung, meist mit mehreren Projekte gleichzeitig. Inspiriert und mutig überschreiten sie Genregrenzen und läuten virtuos die nächste musikalischer Disruption ein. In dieser lustvollen Experimentierfreude kommt der Popappeal von selber.
Eine von ihnen ist Katharina Ernst und von ihr wird man noch viel hören und sehen. Die Künstlerin und Schlagzeugerin kommt aus dem Ventil-Records-Umfeld und hat 2018 ihr Solo Debut Soloalbum „Extrametric“ präsentiert. Darauf tritt sie hochkonzentriert als One-Woman-Band in Erscheinung. Minimal music für den Club.
Sie baut eine Rhythmuswelt, schichtet raffiniert übereinander, was sie an knisternden Sounds und microgrooves produziert. Live und auf Platte außerordentlich gut. Der Track „04 x_04“ entwickelt im Intro eine enorme Spannung, bis er ab Minute 1.35 frohen Mutes einfach weg düst. (Im Video einer Live-Radiosession erst bei 2 Minuten.)

Jung An Tagen – 20:03 – HOW IS THAT POSSIBLE? (2018, Edition Mego)

Ich weiß nicht genau, was mich bei Jung An Tagen anspricht. Der Name des Soloprojekts? Oder Titel wie dieser: „How is that possible?“. Schließlich verspricht auch der Name der Platte Geheimdienst-Schach für die Gehörknöchelchen. „Agent im Objekt“ heißt es. Ich komme zu dem Schluss, dass es Techno für den Maschinenraum sein muss. Ohne Menschen, dafür mit einem fast fertigen Bild auf einer Staffelei. Darauf ist ein Computer zu sehen, der das Universum nachbaut…
Hinter dem Projekt steckt Stefan Juster, dessen musikalische Wurzeln unverkennbar in der Rave- und Techno-Kultur der frühen 1990er Jahre liegen. Erste Aufnahmen reichen bis ins Jahr 2007 zurück. Bald erscheint sein drittes Album auf der Experimenalkaderschmiede Edition Mego und am 16. Juni tritt er mit dem Videokünstler Rainer Kohlberger im funkhaus in Berlin auf.

Yung Huren – Wurst (2018, unreleased)


„Warum hat der Junge eine Frauenstimme?“
„Hab zuerst gedacht, das wäre ein Weib.“
„Ist es jetzt eine Frau oder ein Mann?“
Ist Sie ein Er? Ist Er ’ne Sie?
Was wäre, wenn Yung Hurn eine Frau wäre? Oder was wäre, wenn eine Frau Yung Hurn wäre? Passt Drag zu Rap? Passt Yung Hurn in die Kunst? Und warum sind eigentlich alle so verwirrt? Sehr gelungene Persiflage auf Trap-Künstler Yung Hurn!


2013 hat koalblao aus etwas Heimweh heraus Austrian Sounds gegründet. Mittlerweile sind unter dem Dach der Plattform 40 Mixe und 20 Veranstaltungen zusammengekommen. Die nächsten Austrian Sounds Party gibt’s am 25. Mai.