09.11.2017  /  Sascha  /  Kategorie: Portraits

Manchmal geht alles ganz schnell: Vor zwei Monaten wurde ich durch einen Instagram-Post von SCNTST auf Senoy aufmerksam. Zwei Wochen später trafen wir uns zum Interview im Filterhouse in Kreuzberg, wo ich dem Wahlberliner auch gleich noch eine Kopie seines Tapes Shine abkaufte. Denn ich war angefixt von diesem Sound, den melancholischen Beats, dem Mix aus entspanntem HipHop und Maschinenpistolen-Samples.

Senoy

Mit dieser Mixtur ist sein Tape auf Inner Ocean Records bestens aufgehoben. Wir sprachen mit Jonas, wie Senoy eigentlich heißt, unter anderem über das Label aus Calgary, seinen Sound, Mount Eerie und die letzten 20% eines Tracks.

Jonas, wie kam es dazu, dass dein Tape bei einem Label aus Kanada erschienen ist?
Inner Ocean Recordings kannte ich ja schon vorher. Als ich irgendwann mal Tapes bestellt habe, und einer der Download-Codes nicht funktionierte, habe ich die einfach per E-Mail angeschrieben. Da kam auch schnell eine Antwort mit einem neuen Code, alles ganz easy. Ein paar Tage später habe ich dann einfach mal zwei Tracks geschickt, und zu meiner Überraschung kam sogar eine Antwort zurück. Cory [Giordano, Labelchef] war ziemlich angetan, was mich natürlich sehr gefreut hat. Ich hatte eh noch viele Beats aus den letzten Jahren rumliegen. Also habe ich mich hingesetzt, viel durchgehört und acht Tracks ausgewählt, die es dann auf das Tape geschafft haben.

Waren die Tracks alle schon fertig?
Ich glaube, für das Tape habe ich nur noch „Für Alice“ neu produziert, der Rest stand schon. Der sticht auch ein bisschen heraus, die anderen Sachen sind ja eher relaxt, aber der hat mehr Power. Der Rest musste einfach nur ausproduzieren. Darin bin ich eh ganz groß: Tracks zu 80% fertig machen und dann einfach liegen lassen.

Fällt dir das schwer, Tracks „fertig“ machen?
Vielleicht nicht unbedingt schwer, aber es macht einfach keinen Spaß. Das kenne ich auch von vielen anderen Leuten. Wenn es fertig ist, dann steht das Ding und kann bewertet werden. Da gehört nicht viel dazu, aber das unterscheidet am Ende mittelmäßige von sehr guten Sachen. So die letzten paar Schritte, das ist wichtig, und so ein Release gibt einem da nochmal eine ganz andere Motivation.

Du hast gesagt, dass du Inner Ocean Records schon vor deinem Release kanntest. Was sind deine Favoriten auf dem Label?
Borialism ist auf jeden Fall einer meiner Helden, über ihn bin ich auch auf das Label gekommen. Ansonsten finde ich noch Nymano krass, und Eevve, beides mega Producer.

Man kann Shine als Tape kaufen, aber auch kostenlos herunterladen. Gibt’s du deine Musik gerne umsonst raus?
Ehrlich gesagt wusste ich bis zum Release gar nicht, dass das Label das Tape als Free Download online stellt. Da sah ich die Dollarzeichen in meinen Augen zerbrechen. Aber nein, im Ernst, ich finde das völlig ok. Es geht ja erstmal darum, dass sich die Leute überhaupt meine Musik anhören. Und wer das Tape hat, bekommt den Free Download ja sowieso gleich noch mit dazu.

Auf deinem Instagram-Profil habe ich unter anderem eine Roland SP-404 gesehen, die ja auch Teebs und Konsorten gerne verwenden. Was nutzt du noch so zum Musikmachen?
Das Lustige ist, dass ich in Berlin jetzt ein Studio habe, das ich benutzen kann, so ein richtig professionelles. Weil mein Vater auch musikalisch unterwegs ist, der lebt in München, aber hat hier ein Studio. Und auch die Studios in der Uni. Da gehe ich aber nur für den finalen Mix der Tracks hin. Da verbringe ich dann noch ein oder zwei Stunden an einem Song. Ansonsten produziere ich viel lieber zuhause. Aufstehen, einen Tee trinken und dann einfach loslegen, das mag ich.

Senoy

Gibt es ein paar Produzenten oder Bands, die du nicht nur gerne hörst, sondern die dich auch beim Musikmachen selbst inspiriert haben?
Was mich eigentlich am meisten berührt, ist die Musik von Phil Elvrum, der hinter The Microphones steckte und jetzt Mount Eerie macht. Den höre ich seit über zehn Jahren, das packt mich immer wieder. Seine Musik ist wahnsinnig persönlich, ein unglaublicher Typ. Klar könnte ich jetzt auch so ein paar Beatmaker nennen, aber ich denke, so ein Input aus anderen Genres ist viel wichtiger. Auch weil Phil Elvrum mir diesen Mut mitgegeben hat, dass Tracks auch mal so ganz anders sein können, und dass Musik keine Form braucht, die sie einhalten muss.

Was geht bei dir eigentlich neben dem Musikmachen?
Ich habe gerade fertig studiert, Audiodesign an der HdpK (Hochschule der populären Künste) hier in Berlin, schreibe aber noch an meiner Bachelor-Arbeit. Ansonsten mache ich Ton für Film, ab und an auch mal Filmmusik, aber eher so kleinere Projekte. Ich nehme mir sonst aber ziemlich viel Zeit für mich, wenn ich die brauche. Die letzten acht Wochen habe ich zum Beispiel fast gar nichts an Musik gemacht, davor aber drei Monate lang so richtig viel. Ich brauche da immer wieder so relativ lange Pausen und lasse die Stücke auch gerne mal eine Weile liegen.

Was steht demnächst in Sachen Releases an?
Eine Compilation bei Inner Ocean Records ist geplant, aber da darf ich vermutlich noch nicht viel verraten. So wie es aussieht, werde ich da aber wohl einen Track beisteuern. Ich bin gerade dabei, einiges fertig zu machen, und habe auf jeden Fall noch viel in der Schublade. Außerdem kommt bestimmt bald nochmal was bei Kindly Rewind Records. Durch das Tape ergaben sich jetzt auf jeden Fall ein, zwei weitere Anfragen, mal schauen, was daraus wird.

Foto (oben): Murat Kaydirma