14.07.2017  /  Sascha  /  Kategorie: Portraits

Ten Walls, Conforce, Konstantin. Nur drei Beispiele für Produzenten und DJs, die einem in jüngster Zeit mal wieder vor Augen führten, dass Techno und House eben nicht immer die oft beschworene heile Welt aus „Life, love, happiness…“ sind. Misogyne, homophobe oder rassistische Statements werden zwar von einem Großteil der Szene schnell aufgegriffen, diskutiert und verurteilt, kommen aber dennoch immer wieder vor. Zuletzt war es Konstantin vom Kollektiv und Label Giegling, der meinte, dass Frauen als DJs schlechter und überbevorteilt seien. Seiner offiziellen Rechtfertigung nach war das nur ein Witz – so oder so jedoch ein reichlich schlechter. Dass es allerdings mehr als genug weibliche DJs (und Produzentinnen) gibt, die einen Großteil ihrer männlichen Kollegen locker in die Plattentasche stecken, beweist u. a. das Projekt 31 Days – 31 Women von Cristina Plett.

Den kompletten Juli über stellt die derzeit in Buenos Aires lebende Berlinerin dort jeden Tag eine weibliche DJ und/oder Produzentin vor, bislang waren u. a. Helena Hauff, Aurora Halal, Shanti Celeste oder rRoxymore an der Reihe. Wir sprachen mit Cristina über die Idee zu ihrem Projekt, Zukunftspläne und das Genderverhältnis an den Decks in Buenos Aires.

Cristina Plett

Cristina, wie bist du auf die Idee zu „31 Days – 31 Women“ gekommen? War das länger geplant oder gab es einen bestimmten Auslöser?
Ich hatte schon etwas länger eine grobe Idee im Kopf rumschwirren. Mir war irgendwann mal aufgefallen, dass mir Feminismus und Gleichstellung sehr wichtig sind, aber auf meinem eigenen Blog nichts davon zu sehen ist. Fast alle Posts haben sich auf männliche Produzenten bezogen. Da wollte ich sozusagen mal vor der eigenen Haustür kehren. Der Auslöser das jetzt konkret anzupacken kam aber dann durch die misogynistischen Kommentare von Konstantin.

Wie wählst du die Frauen aus, die du vorstellen möchtest? Es gibt ja – auch wenn manche anderes behaupten – weit mehr als 31 mögliche Kandidatinnen.
Klar, eine Auswahl zu treffen ist immer schwierig. Ich achte darauf, dass es menschlich möglichst ausgewogen ist, also Frauen verschiedener Herkunftsländer, Hautfarben, Sexualitäten, Altersgruppen, Szenen dabei sind, wobei mir das, glaube ich, noch besser gelingen könnte. Musikalisch gehe ich ganz nach meinem eigenen Geschmack und letztendlich weiß ich, dass die Auswahl total subjektiv ist. Aber ein persönlicher Blog erlaubt diese Subjektivität auch, finde ich.

Planst du weitere Posts zu dem Thema? Oder sogar etwas über deinen Blog hinaus?
Momentan habe ich nichts geplant, aber daran irgendwie anzuknüpfen wäre eigentlich keine schlechte Idee. Mal schauen, wie ich das Projekt am Ende beurteile. Von da aus schaue ich dann weiter.

Du lebst derzeit in Buenos Aires, Argentinien – wie sieht es denn da mit dem weiblichen Anteil an den Decks in den Clubs aus?
Haha, da sieht es grauenvoll aus. Ich habe erst einmal eine Frau auflegen erlebt und einmal gesehen, dass eine Frau Headliner war. Es wundert mich aber auch nicht allzu sehr, denn auf einigen Techno-Partys (Techno ist hier das stärkste Genre) erfüllt das Publikum dieses Klischee von uniformierten hetero Techno-Dudes doch ziemlich.
Außerdem ist Argentinien generell (noch) ein sehr machistisch geprägtes Land. Frauen werden überdurchschnittlich häufig wegen ihres Geschlechts umgebracht (die sogenannten Femicidios), Sexualstraftäter nicht angemessen verfolgt, häusliche Gewalt ist ein großes Problem. Das sind halt irgendwie dringendere Themen für den Feminismus als die Frage, wie es da in einer Nische des Nachtlebens aussieht.