23.08.2017  /  Sascha  /  Kategorie: Podcasts

Ein toller Track auf der „45 Kings“ von Melting Pot Music. Jede Menge gute Fotos und Musiktipps auf Instagram. Und schließlich nicht wenige „Kennst du eigentlich“-Tipps von Freunden und Bekannten. Irgendwie bin ich in den letzten zwei, drei Jahren immer wieder auf Hade und seine Musik gestoßen. Bis ich mir dann schließlich endlich mal die Zeit nahm, und die Soundcloud-Seite des Kölners samt seiner inzwischen vielen DJ-Sets und Releases abcheckte – von da an war ich Fan.

Hade

Denn Henrik, wie Hade eigentlich heißt, ist ein echter Digger, einer der tiefer gräbt als die meisten anderen. Der sich in seinen Sets auch mal was traut und dennoch stets endlos viel Funk und Gespür für den Floor im Gepäck hat. Das zeigen auch seine Releases auf Melting Pot Music, Local Talk oder Razor N Tape – die nicht nur unter dem Namen Hade erscheinen. Warum das so ist, fragten wir ihn unter anderen im Interview zu seinem Ashorecast, der wie gewohnt vollgepackt mit unbekannten DJ-Nuggets um die Ecke kommt.

Henrik, seit 2012 sind diverse Remixe und Tracks von dir bei Melting Pot Music, Local Talk oder Razor N Tape erschienen. Arbeitest du auch schon an einem Album?
Der Plan eines Albums schlummert schon länger in mir – und gerade ist glaub ich auch ganz ungeplant alles auf dem besten Wege dahin. Ich fühle mich mit der Musik, die gerade entsteht so zufrieden wie noch nie und irgendwie passt alles ganz gut zusammen. Ich glaube, das erste Soloalbum muss auch gar nicht unbedingt das große Konzeptwerk werden, im Gegenteil: Ich finde die Idee einer stimmigen Sammlung auch sehr spannend.

Hade

Was hat es mit deinem Alias Theo Walbeck auf sich? Versuchst du damit etwas Übersicht in deine Diskografie zu bringen, die ja von HipHop über House bis Bass Music reicht?
Jein, die Nutzung dieses Namens entstand eigentlich auf Wunsch der Local Talk Chefs, die für jeden Artist bei TUNE ein Alter Ego haben wollten. Und bei mir war das ziemlich einfach, da ich diesen Namen schon länger in der Hinterhand hatte. Theo ist der Name meines Vaters, der sehr für meine musikalische Sozialisation verantwortlich ist und Walbeck der Ort, in dem ich aufgewachsen bin.
Aber ja: Ich tue mich generell schon schwer damit, mich auf ein Genre festzulegen, was ich aber auch ganz angenehm finde. Einfach weil ich auch mit vielem noch nicht durch bin. Das Material, an dem ich gerade arbeite, wird schon im Großen und Ganzen Tanzmusik sein, die von House über Dub und Balearic bis zu darkeren Experimental-Sachen reicht. Jedoch macht’s mir zwischendurch auch Spaß, einen Footwork-Track oder Jeepbeat zu bauen.

Vor zwei Jahren hast du bei Facebook ein Video gepostet, wie du im Roxy in Köln als letzten Song „Where Will You Go When The Party’s Over“ von Archie Bell & The Drells spielst. Wie du meintest, ein perfekter letzter Song für eine Nacht wie diese – welche drei Songs spielst du noch gerne am Ende einer Party?
Obwohl ich großer Fan von Top 3 Listen bin, ist das gar nicht so einfach. Jede Party ist ja anders und man hat da mehrere Möglichkeiten. Zum einen kann man nochmal richtig ausholen und mit dem „großen Finale“ enden, oder man wird in seinem Set stetig ruhiger um zum Schluss zwei bis drei ausgewählte smoothe Nummern zu spielen. Da ich beides sehr gerne mache hier mal zwei Szenarios:

Das große Finale:

  1. Arts & Craft – I’ve Been Searching
  2. Emerson – Sending All My Love Out
  3. Joyce – Aldeia De Ogum

Der smoothe Rausschmeißer:

  1. Mioko Yamaguchi – Satemo Appare Yume Zakura
  2. Kate Bush – Wuthering Heights
  3. General Lee – We Did It Baby

Zusammen mit DJ Phil Morris organisierst du die Partyreihe Time To. Wann habt ihr damit gestartet, was ist eure Idee einer guten Idee und wie sieht dementsprechend euer Booking aus? Und gibt es von allen bisherigen Partys einen Moment, an den du dich besonders gerne erinnerst?
Wir haben 2016 im März mit Jackmaster angefangen und hatten seitdem durchgehend echt sehr schöne Abende – unter anderem mit Leon Vynehall, Palms Trax oder wie zuletzt mit den Kölschen Kollegen Hodini und Sesner. Ansonsten gab’s noch einige Auswärtsspiele wie zum Beispiel im Hamburger Gängeviertel für die Golden-Pudel-Benefizparty, oder im Farbfernseher in Berlin.
Für mich ist es eine gute Party, wenn sich das Publikum wie auch der DJ komplett fallen lassen können. Ich finde, das hat viel damit zu tun, wie der Abend anfängt – ich bin großer Fan von einem ruhigen Intro, bei dem erst mal alle „ankommen“ können (wie beim Mix für euch auch). Das Warmup ist eben mitunter der wichtigste Teil des Abends weil dadurch der Grundstein einer Party gelegt wird. Besondere Momente gab’s seitdem auch schon so einige, aber wirklich herausragend schön war’s sogar erst vor kurzem bei unserer Party mit Hunee. Für mich war er musikalisch eh schon ein Traumbooking – aber das dann noch kombiniert mit dieser Anlage, dem E&S Mixer und dem großartigen Publikum hat den Abend einfach perfekt gemacht. Von 90BPM Südafrika-Boogie und Zouk über House, Industrial und Neil Young zu uptempo Brasil – das war echt schon großes Kino.

Du wohnst in Köln, bist du zufrieden mit der elektronischen Musikszene der Stadt? Was macht Köln für dich besonders, was sollte sich aber auch unbedingt ändern?
Alles in allem bin ich recht zufrieden, doch manchmal hat Köln so seine Schwierigkeiten. Die hat aber, glaube ich, jede europäische Großstadt irgendwie. Ich denke Kölns Hauptproblem ist eine gewisse Behäbigkeit, die aber vielleicht auch mit dem rheinischen Gemüt zu tun hat, was jetzt gar keine Beleidigung sein soll – ich sitze da im selben Boot. Der gemeine Rheinländer an sich braucht eben immer etwas Anlauf. Aber in den letzten 2-3 Jahren kamen einige junge, motivierte Leute nach Köln, die viel für ein lebendiges Nachtleben getan haben. Und es gibt auch eben immer mal wieder großartige Lichtblicke, wo man sich denkt: „Wie gut, dass ich heute genau hier bin.“

Danke für deinen Mix! Wie und wo hast du ihn aufgenommen, gab es vorab ein Konzept?
Ein richtiges Konzept gab es nicht – ich wollte eher einen schönen Querschnitt meiner aktuellen Lieblingssongs und Neuerwerbungen zusammenstellen. Aufgenommen habe ich das Ganze daheim bei einer Tasse Kaffee und einem Apfelberliner. Fun Fact: Dieser Mix ist der erste offizielle, der auf meinem neuen Setup entstanden ist, unter anderem bestehend aus meinem Vestax PMC46 MK2, den ich nach Jahren der Suche vor kurzem endlich gefunden habe.

Hade Mixer

Wo kann man dich bald mal wieder auflegen hören? Und sind Releases geplant?
Der September hat einige Highlights: Unter anderem geht’s nach Heidelberg, Hamburg, Move D ist TIME TO Gast und es wird noch ein Minifestival mit Dām-Funk und weiteren Gästen in Köln geben – quasi als „letztes Open Air 2017“. Bezüglich Releases bin ich gerade fleißig und arbeite an mehreren Fronten. Eingetütet ist eine Edit-EP bei Oye Records mit ausschließlich deutschem Material, ein Remix für das Kölner „Kommando“ Label und der Start unseres TIME TO-Vinyl-Imprints. Zudem wird bald eine Mixtapereihe, die ich zusammen mit zwei Freunden hoste, an den Start gehen. Das Konzept ist recht simpel: Wir laden Gast-DJs in unsere Sammlungen/Wohnungen ein und bewirten sie, während diese aus unseren Sammlungen einen kleinen Mix erstellen. Das Ganze wird „Other People’s Records“ heißen und bald online gehen. Die ersten Gäste bisher sind Jules (NTS/Salon), Alex From Galax, Retrogott und Bobby Analog.

Tracklist

Johan Zachrisson – Woodchoppers’ Dream
Cosa Rosa – Zufall
Moondata – Let The Moonshine In
Pyrolator – Happiness
Laszlo Bencker – Function Key
Saâda Bonaire – More Women
Jolley & Swain – Soul Street
General Lee – Magic
Mainpoint – Alaska wartet
Londonbeat – I’ve Been Thinking About You (Force Feel Dub)
Bullion – Blue Pedro
Cook – Amazonas
Kaschiel – San Pellegrino
Sound On Sound – Life Is A Jungle
The 2 German Latinos – Gigolo Gigolette
K-OS – Definition Of Love (Instr. Mix)
Gherkin Jerks – Acid Indigestion / Loleatta Holloway – Dreamin’
Dan Eben – Sandwich Man
Jacq – Madness
326 – Falling (Armando’s House Mix)
Carte De Séjour – Rhorhomanie
Via Afrika – Hey Boy (Remix)

Hade kann man bei Soundcloud, Facebook, Twitter und Instagram folgen.